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Ein Kind ist eine sichtbar gewordene Liebe: Erziehen von Kindern in den ersten sieben Jahren. Rezension von: Holger Niederhausen

Wer hat nicht schon einmal in der Gegenwart eines Säuglings eine Art heilig-reine Atmosphäre empfunden? Eine Atmosphäre, in der ihm zumindest als leise Ahnung aufstieg, was für eine ganz andere Welt uns in und mit einem solchen Wesen begegnet, verglichen mit derjenigen Realität, die unseren eigenen Alltag bildet, äußerlich und innerlich?

Solch ein Moment kann uns wirklich für Augenblicke über jene unsere profan gewordene Realität hinausheben, und dies empfinden wir auch.

Es mag sein, dass sich solche Empfindungen in sentimentale Gefühle verkleiden, dass man ein Baby einfach nur „unglaublich süß“ findet, oder ähnliches. Zugrunde liegt dem doch noch etwas anderes – etwas, dem man näherkommen kann, wenn man sich tief darauf besinnen würde, was man in einem solchen Moment eigentlich wirklichalles erlebt.

Was wäre, wenn solche Augenblicke nicht einsame Momente eines herausgehobenen, sehr reinen Erlebens wären – sondern erst der Beginn? Der Beginn eines Weges, auf dem das wirkliche Wesen eines Kindes, eines werdenden, eine Leiblichkeit ausbildenden, sich verkörpernden Wesens ... überhaupt erst immer mehr wahrgenommen und erlebt wird?

Was wäre, wenn es einen Weg gäbe, der uns immer tiefer in das Mysterium des werdenden Menschen hineinführt – so, dass wir immer realer erleben würden, welche ungeheure Realität sich ereignet, wenn ein Kind heranwächst?

Einen solchen Weg hat Mieke Mosmuller in ihrem Buch „Ein Kind ist eine sichtbar gewordene Liebe“ beschrieben.

Dieses Buch führt wirklich in ein Verständnis, ein Erleben – ja, man ahnt: ein Schauen – hinein, das die profane Wahrnehmung Schritt für Schritt vertieft. Die gewöhnliche Anschauung löst sich gleichsam nach und nach auf wie ein Schleier, der durchsichtig wird, während allmählich und immer mehr die Wirklichkeit geahnt wird – eine heilige, überall von realen geistigen Wirkenskräften durchströmte Wirklichkeit, deren Wirkungen man als solche wahrnehmen, denken, empfinden lernt.

Mieke Mosmuller führt den Leser in die tiefere Wirklichkeit der Phänomene hinein. Dasjenige, was jeder Mensch wahrnehmen kann, ist der Ausgangspunkt, doch dann beginnt sie, Fragen zu stellen; höhere bzw. tiefere Bereiche der Anschauung zu eröffnen; konkrete Übungen zu geben, durch die das Empfinden für diese anderen Schichten der Wirklichkeit, für ihre geistige Seite, geweckt werden kann.

Und das kleine Kind beginnt, wirklich eine geistig-physische Realität zu werden. Man erwirbt nicht bloß ein Wissen, nimmt nicht bloß Mitteilungen auf, die zwar geistigen Inhalt haben, die aber nicht selbst nachzuvollziehen, zu erleben sind – sondern es geht gerade ganz und gar um dieses Erleben, um dieses Mitvollziehen, das in und mit diesem Buch wachsen kann, allmählich, ebenso werdend wie das kleine Kind...

Dieses Buch ist ein Geschenk. Ein Geschenk für alle Menschen, die mit kleinen Kindern zu tun haben und die in sich die Sehnsucht tragen (oder erwecken lassen), immer tiefer zu erleben, was es heißt, ein Kind zur Erziehung anvertraut bekommen zu haben – und dieser Aufgabe immer gerechter werden zu wollen. Und es ist ein wahrhaftes Geschenk für alle Kinder, die das Glück haben, Eltern haben zu dürfen, die sich mit Hilfe dieses Buches auf den darin beschriebenen inneren Weg machen.

Die Aufgabe, ein Kind erziehen zu dürfen – als Mutter, als Vater, als Kindergärtnerin – gewinnt in diesem Buch ihre wahre Würde, Größe, Verantwortung und Heiligkeit. Als Leser empfindet man sich nicht „überfordert“, sondern hinaufgehoben: ahnend hinaufgehoben zum wahren Wesen des Kindes, aber auch zu seinem eigenen höheren Wesen. Man weiß: Wenn man sich wirklich darum bemüht, den Weg zu gehen, den dieses Buch entfaltet, so werden einem immer mehr diejenigen Kräfte und Fähigkeiten zuwachsen, die man braucht, um der immer mehr in ihrer wahren Größe und Gestalt empfundenen Aufgabe gerecht zu werden.

Mieke Mosmuller zeigt in allen Details, dass sie die Probleme und Herausforderungen des Alltags sehr, sehr genau kennt – und dass gerade hier die Vertiefung der Anschauung grandiose Verwandlungs- und Entwicklungskraft hat. Lebendige Anthroposophie wird konkreteste Vertiefung des Lebens...


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