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Ein Kind ist eine sichtbar gewordene Liebe: Erziehen von Kindern in den ersten sieben Jahren. Rezension von: Simone Heubach

Ich habe Mieke Mosmullers Buch über das erste Jahrsiebt gerade zu Ende gelesen - als Mutter von inzwischen erwachsenen Kindern, als Großmutter eines gerade einjährigen Enkels und als Kindergärtnerin mit 29,5 Jahren Berufserfahrung innerhalb der unterschiedlichsten Erziehungssysteme.
Was ich gelesen habe, habe ich gelesen als ein ganz Neues, wie ein nie zuvor in dieser Form Gelesenes, obwohl die in einem gegenwärtig lebenden Menschen aktualisierte Anthroposophie Rudolf Steiners die Grundlage des Geschriebenen ist, welche mir sehr vertraut ist. So hätte ich das auf keinen Fall gekonnt! Damit will ich sagen: auch jemand, der bereits viele Jahre mit Waldorfpädagogik praktisch wie theoretisch befasst ist, auch für solchen Menschen ist dieses neue Buch von Mieke Mosmuller zutiefst empfehlenswert.
Und: höchst empfehlenswert zugleich auch für junge Eltern, welche selbst noch in keinerlei Erziehungssystem zu Hause oder befangen sind.

Wenn ich das, was aktuell in mir am meisten nachschwingt zusammenfassen will, dann würde ich sagen: für mich ist die momentane Quintessenz dessen, was ich aus diesem Buch neu und anders als bisher zu tun und zu praktizieren lernen und üben will, das, was begrifflich zu fassen ist mit der Formulierung "bewusste und achtsame aktive Umlenkung von Negativem in Positives" - das, was der Erzieher im Außen zu tun hat (... während seine Hauptarbeit im Innen, in der Selbsterziehung zu liegen hat). Dieses als den mittleren Weg und damit als das Heilsame und das wirklich Not-Wendige zu erleben und zu erkennen, was wie in höchstem Risiko ohne Netz und doppelten Boden beständig neu suchend, forschend, findend balanciert über den vorhandenen Abgrund zwischen möglicher Unterdrückung durch Verbieten und möglicher falscher Passivität durch Ignoranz dessen, was das Kind an negativen Verhaltensweisen zeigt, unschuldig zeigen muss, zumeist gar nicht anders kann, drinnenstehend und lebend in und vollständig hingegeben an alles, was auch immer in seiner Umgebung lebt und wirkt. Das ist, was ich nun beginnen will nach dem Lesen dieses Buches.

Einziges herausstechendes leicht Irritierendes: eine kleine Passage, nur drei Sätze auf Seite 106 - das Lob oder besser gesagt etwas, was wirkt wie die in wenigen Sätzen geringfügig übermäßig geratene und auch gleich wieder relativierte Idealisierung der Waldorfpädagogik als höchstes Wahres und Schönes und Gutes innerhalb alles Pädagogischen unserer Zeit.

Wohltuend das Buch als Ganzes ausgleichend, harmonisierend, korrigierend das, was nach dem Lesen in "Eine Klasse voller Engel" wie ein schwer (bzw. nur mit höchster Eigenaktivität) zu verdauender Nachgeschmack übriggeblieben war wegen der dort unter anderem auch zu findenden Beschreibung des Anti-Wesens der Waldorfpädagogik. Jedes Wesen hat auch sein Unwesen, sein Antiwesen.

Für das erste Jahrsiebt ist jedenfalls Mieke Mosmuller hier mit diesem Buch "Ein Kind ist sichtbar gewordene Liebe" hervorragend gelungen, den ersten, grundlegenden Teil des Wesens der Waldorfpädagogik zu beschreiben und dem Leser miterlebbar zu machen. Inwieweit das auch in den Folgeteilen gelingt, darauf darf man höchst gespannt sein. Ich jedenfalls bin es.
Für das mit diesem Buch einer Mutter, Großmutter und Kindergärtnerin Gegebene von ganzem Herzen tiefsten Dank.
Simone Heubach

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